Whisk?! – unter diesem Bandnamen veröffentlichten die 5 Grevebroicher Benjamin Mirtschin (Gesang), Tobias Schmidt (Gitarre/Gesang), Roman Laube (Gitarre), Tobias Brings (Bass/Gesang) und Robert Matyjaszczyk (Schlagzeug) bereits zwei Alben, spielten unter anderem bei Rock am Ring 2008, bis sie sich schließlich Anfang 2009 in City Light Thief umbenannten und damit ebenso einen Genrewechsel einlegten. Anfang 2011 veröffentlichten sie ihr Debut-Album Laviin, welches, bestehend aus einer gesunden Mischung aus Rock, Punk und Post-Hardcore, am 22.4. nun auch, begrenzt auf 300 Exemplare und handnummeriert, auf Vinyl veröffentlicht wurde.
Die Vinylscheibe kommt in einem netten Blauton in einer Plastikhülle mit eingelegtem Cover, einem “Blatt” mit den Texten, einem Download-Code und Produktionsinformationen drauf, wobei den ersten Vorbestellungen noch eine exklusive CD mit akustischen Versionen bestimmter Songs beilag. Hierbei muss man sagen, dass sich das Cover der LP von dem der CD unterscheidet.
„Für Punk zu komplex, für Post-Core zu poppig, für Indie zu hart.“
(Artempire 12:10)
Der Opener der A-Seite (Driftwood) wurde, meiner Meinung nach, perfekt gewählt. Kraftvoll werden mehrstimmig die ersten Verse des Songs direkt um die Ohren geschrien – ein kraftvoller Anfang. Mit einer guten Mischung aus schnellen und ruhigen Passagen ein würdiger Anfang. Gefolgt von Golden Roots, zu dem es im Übrigen ein recht professionelles Live-Video auf der Videoplattform Youtube zu bestaunen gibt, folgt Domino Sparrow – eines der stärksten Stücke des Albums, zu dem Team Caraax 2009 bereits ein Video gedreht hat. Nach einem markanten, abwechslungsreichen Alpine Idyll, neigt sich die erste Hälfte mit Black Tongues auch schon dem Ende zu, wobei dieses Lied keinesfalls als schwach zu bezeichnen ist. Es zeichnet sich vor allem durch schleppende Rythmen und einen vergleichsweise eher tiefen Gesang aus, es entsteht schon beinahe eine bedrohliche Atmosphäre.
Mit Architext VS Avalanche beginnt auch die zweite Seite scheinbar harmlos – bald aber wird schon klar, dass der Song vor allem durch eine markante Gitarrenmeldie hervorsticht. Auch hier wurde wieder kein bisschen an irgendetwas gespart – seien es die härteren Passagen oder “nur” die mehrstimmig gesungenen, Chor-artigen Passagen. Dass es nun gefährlich wird, sagt nicht nur der nächste Titel (Dangerosaurus!), sondern lässt sich bereits im Intro erahnen: Für den ungeübten Hörer schiefe Melodien, entpuppen sich als geschickte Atmosphärenbereiter – mit Abstand einer der – sowohl gesanglich als auch musikalisch – stärksten Tracks. Kraftvoll hämmert der Dangerosaurus bis zum Ende durch, um von einem starken Circa Now abgelöst zu werden. Das einzige balladenartige Stück findet sich jetzt unter dem Namen Pioneers, stellt leider kein großer Höhepunkt dar, wenn es doch auch seinen eigenen Style hat.
„Oh, how I wish that I was fuelwood, so for once I was on fire.
But right now I’m a thief , a liar.“
(City Light Thief – Driftwood)
Eine gute Überleitung zum Rausschmeißer Punkt.Aus?Ende! Stellt es aber auf jeden Fall dar. Auch hierzu wurde Anfang 2011 ein Video gedreht. Das besondere: Es wurde mit einem Budget unter 100 €, mit mehr als 30 Helfern und nur in einem Take gedreht – ohne Cuts – zu einem Meisterwerk. Von einem langsamen, steigernden Intro eingeleitet hauen die Jungs zum Ende nochmal alle ihre Stärken raus: Kraftvolle Melodien, Rythmenwechsel, weiche sowie harte Passagen und ein Refrain mit mehr als Ohrwurmfaktor – und das ohne irgendwelche 08/15-Songmuster oder simple Text-reime. Nach circa zwei Minuten zeigt sich aber die größte Besonderheit dieses Songs: Zum ersten (und letzten) Mal auf dieser Platte wechselt die Sprache in ? Deutsch. Nach einem musikalisch unterlegtem Monolog, wird dieser mit den Worten mich verrennen und vertrauen – Vertrauen beendet, wobei Vertrauen wiederholt wird, die Verwirrtheit des Sprechers ausdrückt und nahtlos in den deutschen Text übernommen wird, woraufhin ein Teil nochmals auf deutsch runter gesungen wird, gefolgt von einem genialen deutschen Teil – da kann man sich City Light Thief wirklich perfekt als deutschsprachige Band vorstellen – ein Perfekter Rausschmeißer, der die Sehnsucht nach neuem Material nur noch vorantreibt.
„Punkt.Aus?Ende! Niemals Ich!
Jedes Wort beschreibt einen Vorgang, der immer anders ist.
Nichts ist gut – Nichts ist schlecht.“
(City Light Thief – Punkt.Aus?Ende!)
Mein Fazit an dieser Stelle: Markanter Gesang im Positiven Sinne, gut eingebrachte Gitarren, wobei sie nie zu sehr in den Vordergrund rücken, wie es oft der Fall ist, aber auch nicht gänzlich von der Bildfläche verschwinden, musikalisch hochwertig und eine gute Mischung aus ruhigen/schnellen Passagen und einer netten Portion Cleaner/Dreckiger Gesang. Die LP ist optisch mehr als gut, die Aufmachung ist besser als erwartet, der beiliegende Downloadcode für das Album im MP3-Format setzt nochmal einen drauf. Für die 14 €, die das Schätzchen gekostet hat, mehr als genug – da sollten sich manch große Künstler, die viel weniger bieten, sich mal ein Vorbild dran nehmen.
Ich denke, die Band hat sich einen eigenen Stil geschaffen – und falls sie den Post hier persönlich lesen sollte: Bleibt dabei. Die Vorfreude auf neues Material und neue Konzerte ist auf jeden Fall durch Laviin nur noch verstärkt worden.
Fazit: 9/10 Punkte

hello! wir habens gelesen! juhu!
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