Rainbow – Rising

 Ritchie Blackmore’s Rainbow – dieser Schriftzug zierte noch die ,ein Jahr zuvor erschienene, Platte. Doch nach einem Besetzungswechsel im Bass, Schlagzeug und Keyboard, war eine Erwähnung Blackmore’s Namens in großen Lettern auf dem Cover nicht mehr notwendig – man hatte sich immerhin mühevoll durch das Debut Ansehen und Bekanntheit erspielt. Es stand also dem zweiten Album der Gruppe rund um den Ex-Deep Purple Gitarristen nichts mehr im Weg, so nahmen sie in der Besetzung Ronnie James Dio (Gesang), Ritchie Blackmore (Gitarre), Tony Carey (Keyboard), Jimmy Bain (Bass)  und Cozy Powell (Schlagzeug) schließlich Anfang 1976 im Münchener Musicland Studio den nächsten Tonträger auf, der den Namen Rising tragen sollte.

„Lyrically I like to use themes that make the listener use his or her imagination, and to give a little of the lessons I’ve learned in my own life.“
(Ronnie James Dio)

Der erste Eindruck des Covers lässt schon weiteres erschließen:  Während das Cover des Vorgängers noch verträumt ein Schloss in einer nebeligen Nacht präsentierte, so zeigt das neue Cover einen Strand, umgeben von stürmischen Wellen, aus denen eine Faust einen Regenbogen heraus umklammert hält – im Hintergrund an einer Klippe steht eine Person in Zerfetzten Kleidern. Hier zeigt sich also schon, dass man sich auf schwerfälligere Musik einstellen darf.
Eröffnet wird die B-Seite vom Song Stargazer, der für viele Rainbow-Fans eines der markantesten Stücke ihrer Karriere darstellen dürfte. Eine eingängige Melodie prägt das Stück, Dio bringt seine Gesangskünste hervorragend zum Vorschein und auch die ungewöhnliche Dauer von rund achteinhalb Minuten darf hier nicht außer Acht gelassen werden. Die gitarrenlastigen Solopassagen werden dazu noch grandios vom Münchener Philharmonie Orchester unterlegt und verleihen dem ganzen noch eine zusätzliche Portion Power. Ebenfalls aber auch der Text sollte nicht ungenannt bleiben: Er erzählt die Geschichte von den Menschen, die Jahre lang mit aller Mühe einen riesigen Turm aus Stein bauten, damit der Zauberer hinunter springen und zu den Sternen fliegen kann. Dieser aber scheitert, als er mit seinen Flügeln vom Turm springt und stirbt – die Männer aber sehen einen Regenbogen am Horizont, obwohl es nicht regnete, so erlangen sie ihre Hoffnung wieder, ihre Freiheit und kehren nach Hause zurück. Alles in einem ist allein dieser Song ein Meisterwerk.

„All eyes see the figure of the wizard
As he climbs to the top of the world
No sound, as he falls instead of rising
Time standing still, then there’s blood on the sand
Oh I see his face!“
(Stargazer)

Die B-Seite vervollständigt an dieser Stelle ein weiteres Lied in Überlänge – A light in the Black. Dieses sticht vor Allem durch seinen schnellen Charakter und die einprägsame Melodie hervor. Wie in den meisten Stücken kommen auch hier die gitarrenfixierten Passagen nicht zu kurz.
Etwas schwerfälliger eröffnet das Stück Tarot Woman die A-Seite, aber nichts desto trotz lässt sich dieses Stück keinesfalls kritisieren. Auch im folgenden Song Run with the Wolf kann Dio mit seinen Gesangskünsten wieder vollstens überzeugen.
Mit einer der markantesten Melodien startet dann schließlich auch der dritte Track, Starstruck. Diese zieht sich gelassen durch das gesamte Stück, begleitet von weiteren grandiosen Gesangseinlagen und Gitarrenpassagen – auch dieses Lied sollte den meisten Fans ein Favorit sein. Der letzte Titel ist letztendlich Do you close your Eyes. Hier wurde bemerkbar an Härte zugelegt, jedoch ist es unbestreitbar, dass der Text dafür leiden musste, da dieser einen tiefer gehenden Sinn leider nur erahnen lässt. Nichtsdestoweniger ein akzeptables Stück, wenn auch nicht das Highlight dieser Platte.

„It used to be a game
Now I can’t repeat my name at all
She seems to believe that
I never can refuse a call“
(Starstruck)

Die Platte an sich kommt in einem standardmäßigen Papp-Vinyl-Cover, mit einer, mit dem Cover-Motiv, bedruckten Vorder- und einer, mit Bilder der Bandmitgliedern und der Tracklist, bedruckten Rückseite. Klappt man das ganze auf, so findet man ein großes Bandfoto vor, gefolgt von dem Text des Openers “Stargazer” und der Bandbesetzung, sowie einzelnen Hinweisen zur Aufnahme, auf der rechten Seite. Die Platte an sich ist gewöhnlich schwarz.

Insgesamt ein großartiges Wert, es ist jeden einzelnen Cent doppelt und dreifach Wert. Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich behaupte, dass dieses Werk sehr viele Musiker in ihrer Entwicklung und Laufbahnplanung entscheidend geprägt und beeinflusst hat – berechtigt. Absolute Kaufempfehlung an dieser Stelle.

Fazit: 9.5/10 Punkte

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